Alltagsspiritualität

Spiritualität beginnt für mich im All. Im großen Ganzen, in dem alles bereits enthalten ist. Alles ist da – als Möglichkeit, als Potenzial, als unendlicher Raum des Werdens. Was im All verborgen liegt, sucht Ausdruck. Es möchte Form annehmen, Fleisch werden, Gestalt gewinnen und sich in der Zeit entfalten.

Durch unser Bewusstsein, unsere Vorstellungskraft und unser Herz treten einzelne Möglichkeiten hervor und werden erfahrbar. Spiritualität ist die Erinnerung an diese Verbindung. Sie verknüpft das Unsichtbare mit dem Sichtbaren, das Ewige mit dem Alltäglichen.

So erhält jedes Ding seinen ehrenwürdigen Platz – nicht mehr und nicht weniger. Im Gewöhnlichen wie im Besonderen kann der Urquell aufscheinen. Im Zubereiten einer Mahlzeit, im Gang durch den Garten, im Gespräch mit einem Menschen oder im stillen Betrachten des Himmels.

Spiritualität ist für mich ein Weg der Wandlung: vom Ursprung in die Form und von der Form zurück zum Ursprung. Ein ständiges Werden und Wiedererkennen.

Dafür braucht es keine großen Konzepte und keine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft. Es beginnt mit drei einfachen Schritten: wahrnehmen, innehalten, bewusst werden. Ohne zu urteilen. Ohne etwas verändern zu müssen. Einfach da sein mit dem, was ist.

In den kleinen Handlungen des Tages, im bewussten Hinsehen und Hinspüren, öffnet sich ein Raum im Herzen. Und manchmal genügt ein Moment wahrhaftiger Dankbarkeit, um die Verbundenheit mit allem Leben zu erkennen.